Stellungnahme zur Tiefgarageneinfahrt durch den Holzbaur-Garten im historischen Stadtgraben

Zum nächsten Frundsbergfest spricht man dann wieder von ihm: Dem Stadgraben. Gemeint ist in der Regel die von Bäumen gesäumte Grünfläche, die sich im Nordwesten um St. Stephan legt. Ein historischer Ort, der uns alle drei Jahre aus unserem grauen Alltag entfliehen lässt, in eine Welt voller Fahnen, bäuerlicher Brauchtümer, schimmernder Rüstungen und altem Handwerk.

Genau gegenüber aber, also im Südosten der Stadt, liegt ein Teil des Stadtgrabens, der das Flair vergangener Tage versprüht, leider aber meist links oder rechts liegen gelassen wird. Entlang der Frundsbergstraße kann man entdecken, wie viel Leben in privaten Gärten stecken kann: Bunte Blumen, wilde Ranken, Sträucher die zu unterschiedlichen Jahreszeiten blühen und einer Vielzahl zwitschernder Vögel Unterschlupf bieten. Kinder, die auf Hochstämme klettern, um sich Obst zu pflücken, Hasen und Eichhörnchen, die sich im Schutz der alten Bäume gute Nacht sagen.

Einen, im wahrsten Sinne des Wortes, herausragenden Beitrag zu diesem Idyll leisten dort unsere betagten Bäume. Mit ihren knorrigen Stämmen, tragen sie majestätische Kronen, die Platz bieten, die Luft filtern und dabei ihr eigenes Mikroklima schaffen. Von diesem profitieren nicht nur die direkten tierischen Bewohner, sondern das gesamte Stadtklima, also letztendlich wir.

Einen Grüngürtel wie an der Frundsbergstraße, gibt es sonst im ganzen Altstadtbereich nicht. Dennoch lädt dieser Bereich kaum zum Lustwandeln ein, da er von regem Verkehr geprägt ist und scheinbar keine zwei relevanten Ziele (bspw. Parkplatz und Einkaufsmöglichkeit) miteinander verbindet.

So braucht man sich nicht über die Einigkeit in der Stadt wundern, dass das neue Parkhaus im Klostergarten am besten von außerhalb der Innenstadt, nämlich über die Frundsbergstraße, an den Verkehr angegliedert werden soll. Denn was man nicht kennt, das schützt man nicht.

Der BUND Naturschutz hat die amtierenden Stadträte (und damit auch leider den größten Teil der zukünftigen Besetzung), an ihren Wahlkampfständen auf dem Wochenmarkt auf die Thematik angesprochen. Erschreckender Konsens: Der Großteil der Stadträte war sich entweder nicht darüber bewusst oder nahm es billigend in Kauf, dass für diese Zufahrt zwei jahrzehntealte Buchen gefällt werden müssen.

Wo gehobelt wird, da fallen Späne, und wo es Parkplätze bedarf, fallen Bäume!

Denn das einzige, wirklich zur Verfügung stehende Gelände für eine Tiefgaragen-Zufahrt über die Frundsbergstraße führt durch den Holzbaur-Garten. Dieser gehört mittlerweile der Stadt Mindelheim, nachdem Erwin Holzbaur, angesehender Mindelheimer Künstler, und seine Frau den Garten jahrzehntelang pflegten und nach ihrem Tod Haus und Garten mit Buchen, Eiben und roten Christrosen an die Stadt überschrieb. Wäre es in ihrem Sinne, dieses Erbe nun einer Zufahrt für ein Parkhaus zu opfern?

Gerüchten zufolge wird das denkmalgeschützte Haus saniert und bewohnbar gemacht. Der nicht geschützte Anbau, in dem sich die Werkstatt von Erwin Holzbaur befand, sowie der Garten scheinen der Stadt hingegen nicht ausreichend schützenswert, um Alternativen vorzuziehen.

Eine Alternative wäre beispielsweise eine Zufahrt über das untere Tor. Das Argument dagegen ist der erhöhte Verkehrsfluss, den man aus der Innenstadt heraushalten möchte. Es schließt sich dann die Frage an, wie viele Parkplätze tatsächlich geschaffen werden sollen. Wäre es bloß für die Anwohner, der neu zu bauenden Wohnungen im Klostergarten, so wäre dieses Argument entkräftet. Sollten, wie im Ochsenareal, zusätzliche öffentliche Parkplätze geschaffen werden, sollten dafür keine öffentlichen Gelder hergenommen werden. Dieses sollte stattdessen in den Fuß- und Radverkehr sowie eine ordentliche Anbindung an den ÖPNV genutzt werden.

„Rad vor Auto“ stand auf den Plakaten der SPD. Wer sich dem zynischen Bild einer Fahrradfahrerin vor dem Kühlergrill eines SUVs entziehen kann, wird in Folge merken, dass diese Forderung nicht mit dem Bau weiterer Parkplätze vereinbar ist. Und man muss weder grün noch ökologisch im Namen tragen, um zu verstehen, dass eine Fällung von alten Bäumen für das Platz verschwenderische Abstellen immer größer werdender, klimaschädlichen Metallboliden inakzeptabel ist. Wir müssen (auch hier in Mindelheim!) anfangen, unsere Mobilität über das Lenkrad hinaus zu denken.

So könnte die Stadt Mindelheim die Stellplatzverordnung dahingehend ändern, dass für (neugebaute) Wohnungen im Altstadtbereich keine Parkplätze zur Verfügung gestellt werden müssen, da alle lebenswichtigen Einrichtungen in zumutbaren Umkreis vorhanden sind. Zusätzlich könnten öffentliche Parkplätze in Car-Sharing-Plätze mit E-Lade-Funktion umgewandelt werden und den Anwohnern ein Sondertarif angeboten werden. Egal wie die Parkplatzsituation ausfällt, müssen überdachte Radstellplätze mit Lademöglichkeit den Auto-Parkplätzen bevorzugt installiert werden.

Hierbei handelt es sich nur um einige Ideen. Diese nicht weiterzudenken oder groben Unwillen zu zeigen, das Auto als Verkehrsmittel endlich hinten anzustellen, darf nicht über eine Sache hinwegtäuschen: Alte Buchen zu fällen, um Parkplätze zu erschließen, ist aus Sicht des BUND Naturschutz, nicht zulässig. Es muss eine andere Lösung gefunden werden!

Denn Baumschutz ist Klimaschutz, ist Tierschutz, ist Menschenschutz. Die letzten Rekordsommer mit tausenden Hitzetoten haben gezeigt, dass es vor allem im innerstädtischen Bereich dringend der klimaregulierenden Wirkung großer und vor allem alter Bäume bedarf. Daher fordert der BUND Naturschutz nicht nur eine umfassende Baumschutzverordnung zum Schutz des Bestandes, sondern auch der Bevorzugung großer, heimischer Arten gegenüber den pflegeleichten Zwergarten bei der Neusetzung.

Große Linden, Buchen und Eichen waren einst zentraler Bestandteil einer jeden Dorf- oder Stadtgemeinschaft hier in der Region. Sie auszuschließen, Stück für Stück zu dezimieren, bedeutet einen Verlust unserer kulturellen Identität, Stück für Stück. So gerne wir das Frundsbergfest feiern, so dürfen wir nicht vergessen, dass in der Zeit des Mittelalters die Wälder Europas, Baum für Baum, gerodet wurden. Deswegen hat kaum einer von uns je einen echten Urwald zu Gesicht bekommen. Letztlich lässt das Frundsbergfest doch erkennen, wie groß das Bedürfnis der Menschen nach einer heilen Vergangenheit und nach idyllischen, naturnahen Verhältnissen ist. Lasst uns diesen imaginierten Zuständen hier in der Gegenwart näherkommen und schützen wir, was zu uns gehört!

Seien wir achtsam und dankbar. Und lasst uns nicht niederreißen, für kurzweilige Interessen, was uns über Jahrzehnte ans Herz gewachsen ist!

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Alle Bilder sind zur freien Verfügbarkeit gekennzeichnet (CC-BY BUND Naturschutz).


Unterzeichnen Sie die Petition!

Holzbaur-Buchen und Garten retten!

Sollte im Schwesterngarten eine neue Tiefgarage entstehen, darf die Zufahrt nicht über den Garten des Holzbauer-Hauses durch den historischen Stadtgraben verlaufen, auch weil hierfür mehrere alte Bäume gefällt oder stark beschädigt werden müssten. Lesen Sie mehr und unterzeichen Sie hier!


weitere Informationen

Die folgenden Broschüren sind auch in der Geschäftsstelle in der Bahnhofstr. erhältlich!