Naturlehrgarten Mindelheim - Umweltbildung und Naherholung am Rand der Kleinstadt

Ein Blütenmeer am Stadtrand im Frühjahr und Sommer, ein Naherholungsziel, ein Ausflugsziel für Schulklassen – so stellt sich der Mindelheimer Naturlehrgarten dar, der von der Ortsgruppe Mindelheim des Bund Naturschutz am Ortsrand von Mindelheim im Landkreis Unterallgäu geschaffen wurde. Gebaut wird an der Anlage seit 2007, offiziell eröffnet wurde sie im Mai 2012.

Die Anlage teilt sich in verschiedene Bereiche auf, es gibt einen Rundweg mit einem Biotoplehrpfad, zahlreiche Hochbeete mit heimischen Pflanzen und Lehrbeispiele für naturnahes Gärtnern.  In der Mitte befinden sich eine große naturnahe Wiese mit zahlreichen seltenen Blumen sowie ein Teich, an dem auch Fieberklee und Schwanenblumen blühen und sich Libellen tummeln.

Der Projektleiter, Walter Feil, hat selber zahlreiche Samen von heimischen Wildblumen gesammelt, zum Beispiel von der  Königskerze, Trollblume, Schwalbenwurzenzian und Teufelsabbiss und diese kultiviert, so dass sich hier zur Blütezeit ein Blumenmeer ergibt, das seinesgleichen sucht. Weiterhin hat er über 1000 seltene Pflanzen selber gezogen.

Mit eingebunden ist ein Bach, der naturnah durch das Gelände mäandriert. Über diesen führt eine Brücke zu Kräuterbeeten, die nach der Lehre Sebastian Kneipps angelegt wurden, welcher im Nachbarort Bad Wörishofen gewirkt hat. Neben den Kräuterbeeten befindet sich auch eine Streuobstwiese mit zahlreichen seltenen Obstsorten.

Über eine Furt gelangt man zu einem Abenteuer- und Wildnisbereich, wo insbesondere Kinder sich in einer Weidenhöhle verstecken, einen Aussichtshügel erklimmen  und bei der Wasserbaustelle spielen können. Ein Kletterbalken rundet diesen Bereich ab.

Ergänzt wird der Naturlehrgarten noch mit einem Waldlehrpfad im angrenzenden Wald, der vor kurzem  vom Staatlichen Forstamt errichtet wurde.

Der Naturlehrgarten ist ein Naherholungsziel ersten Ranges, direkt am Stadtrand gelegen, zu Fuß und Rad erreichbar, an Wochenenden kommen bis zu 150 Besucher. Pro Jahr finden etwa 30 Führungen statt mit Teilnehmern aus ganz Schwaben und angrenzenden Landkreisen.

Ziel des Naturlehrgartens ist es, Jugendlichen und Erwachsenen die Schönheit der Natur  und Kenntnisse sowie Zusammenhänge in der Natur zu vermitteln, Fähigkeiten, die leider immer mehr abnehmen. Viele Jugendliche, aber auch Erwachsene kennen nicht einmal einige der heimischen Pflanzen und Gehölze. Dass hier dringend Aufklärungsarbeit geboten ist, sieht man bei vielen Hausgärten. Hier werden regelmäßig exotische, nicht heimische Pflanzen kultiviert, die nicht für unsere einheimischen Vögel und Insekten geeignet sind. Es zeigt sich regelmäßig, dass das Interesse der Jugendlichen an der Natur durch den engen Kontakt mit ihr, wie dies im Naturlehrgarten vorgesehen ist, erheblich steigt.

Gleich wichtig  ist auch das Ziel, naturnahes Gärtnern und Spaß an der Natur zu vermitteln und Vorbild zu geben für eine naturnahe Gartengestaltung auch für kleine städtische Gärten mit einheimischen Pflanzen. Durch diese Verknüpfung aus Lehrgarten, Spielgelände und Naherholungsziel wurde ein interessantes Projekt verwirklicht.

Im Konzept ist die Einbindung zahlreicher Gruppierungen verankert. Neben Industriebetrieben, die ihre Lehrlinge zu Projekten schicken (Diese errichteten dann z.B. einen Zaun oder bauten eine Obstpresse), sind  Schulen und Kindergärten mit verschiedenen Projekten beteiligt, unter anderem die Berufsschule Mindelheim mit der Errichtung der Biotop-Arche. Wichtig ist auch das gemeinsame Konzept mit dem Bayerischen Staatsforsten, welches deren Lehrpfad mit dem Schwerpunkt Wald und Geologie mit unseren Teil nahtlos verknüpft. In Bezug auf Behörden war das Wasser-wirtschaftsamt Krumbach in die Vorbereitung mit einbezogen und hat die wasserrechtlich relevanten Bauten genehmigt. Weiterhin wird mit der Naturschutzbehörde im Landratsamt intensiv zusammengearbeitet. Wichtig ist auch die Zusammenarbeit mit den Kirchen: Hier soll der Gedanke "Bewahrung der Schöpfung" näher gebracht werden. Weitere Akteure sind die Kolpingsfamilie Mindelheim, die Behindertenwerkstätten, der Mindeltaler Tauschring, der Museumsverein, die örtlichen Imker sowie die örtliche Freiwilligenagentur.

Stichpunkte

Baubeginn: Oktober 2008

Eröffnung: Mai 2012

Fläche: 9.100 qm

Bisher entstandene Kosten: ca. 50.000 Euro

Bisher geleistete ehrenamtliche Arbeitsstunden:  6000, 3 Jahre Arbeitszeit eines Vollbeschäftigten!. Der Wert beträgt 60.000 Euro (10 Euro die Stunde).

Besonderheiten:

-          Integrierter naturnaher Bachlauf

-          Großer Abenteuer- und Wildnisbereich mit Spielmöglichkeiten für Kinder – und Jugendliche (Wasserbaustelle, Kletterbalken usw.)

-          Fast ausschließlich heimische Wild- und Gartenpflanzen

-          Komposttoiletten

-          Streuobstwiese mit seltenen Obstsorten

-          Seltene Wildblumen und Orchideen

-          Zahlreiche Beispiele für naturnahes Gärtnern

-          Teich mit zahlreichen  seltenen Wasserpflanzen

-          „Biotop-Arche“, Insektenhotel

-          Behindertengerechte Wege

-          Steingarten

-          5 Arten Blumenwiesen

-          2 Grüne Klassenzimmer

-          Heckenlehrpfad mit ausschließlich heimischen Sträuchern

-          Biotop-Lehrpfad

-          2 Flurkreuze

Der Garten ist jederzeit frei zugänglich. Der Eintritt ist frei.

Führungen nach Vereinbarung von April bis August statt.


Auszeichnungen für den Naturlehrgarten

Naturlehrgarten Galerie

Urzustand des Naturlehrgartens im Jahr 2007
Herrlich blühender Biotoplehrpfad mit Brunnenbach
Naturlehrgarten im Jahr 2012
Das erste "Element". Die Biotoparche wurde im Rahmen der Aktion "3 Tage Zeit für Helden" im Jahr 2007 errichtet.
Überdachter Freisitz im Bau
fertigstellter überdachter Freisitz
Biotoparche sowie Büro und Aufenthaltsraum mit Freisitz
Inzwischen beseitigtes Wehr am Brunnenbach
Renaturierter Bachlauf nach Beseitigung des Wehres
Fischtreppe im Brunnenbach
Wegebau mit Vlieseinlage wegen des moorigen Untergrunds
fertiger Rundweg mit blühendem Biotoplehrpfad