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Stieleiche

Baum des Jahres 1989

Informationen zur Stieleiche am Wertachweg

Die Eiche ist etwa 250 Jahre alt, ca. 30 Meter hoch mit einem Stamm-Umfang von gut 4 Metern und einem Kronendurchmesser von 25 Metern.  Der Baum stand vormals in einer Baumreihe entlang des ehemaligen Korrektionsweges der Wertach. Östlich lagen die Altwasser des Flusses und bei Hochwasser lief das Wasser bis zu diesem Weg, der sich auf einer etwa 4m höher liegenden Niederterrasse befindet. Diese Baumreihe markierte um 1900 den östliche Ortsrand und war die Grenze zwischen niederer und höherer Niederterrasse. Am Ende des Wegs ist dieser Abhang noch erhalten. Die Bäume weisen also  auf eine wichtige morphologische und historische Grenze hin.

Durch Kanalarbeiten und auf Bestreben von Anwohnern wurden alle Bäume des Korrektionsweges bis auf 2 Exemplare entfernt. Um diese wertvollen historischen Bäume zu erhalten, sollte die Straße nicht asphaltiert werden, da  die Wurzelverletzungen unweigerlich zum Absterben führen würden.

Wissenswertes

 Schon gewusst, dass…

  •  ...die Stieleiche normalerweise 500 Jahre alt wird. Möglich ist aber auch ein Alter von 1.200
      Jahren.
  • ...sie normalerweise gut 30 Meter hoch wird. Es können aber auch einmal 60 Meter sein.
  • ...sie sehr standsicher ist, weil sie mit einer langen kräftigen Pfahlwurzel tief im Boden sitzt.
  • …sie mit etwa 200 Jahren aufhört in die Höhe zu wachsen; der Stammumfang nimmt aber   
      weiterhin zu.
  • ...sie am liebsten im Flachland und an sanften Hügeln wächst – bis 1000 m ü NN.
  • ...die Früchte der Eiche - die Eicheln - zu dritt bis fünft an 1,5 bis 4 Zentimeter langen Stielen
       (daher der Name Stieleiche) sitzen und bis 3,5 Zentimeter lang werden.
  • ...die Eicheln viel Stärke und Gerbstoffe enthalten; man verwendete sie (geröstet) als Kaffee-  
       Ersatz,   
  •    zur Herstellung von Branntwein (Schnaps) und in Notzeiten zur Brotherstellung.
  • ...dass in vielen Ländern die Eicheln als Schweinefutter sehr wichtig waren; daher stammt der
       Spruch Auf den Eichen wächst der beste Schinken. Für Rinder und Pferde sind Eicheln und
       Eichenlaub wegen des hohen Gerbstoffgehalts schädlich, aber Wildschweine fressen sie   begeistert
  • ...die Borke (Rinde des Stamms) graubraun, dick, und tief gefurcht ist. Auch sie enthält sehr viel
       Gerbstoff; man verwendete sie deshalb zur Herstellung von Leder
  • ...die wechselständigen, ledrigen Blätter kurz gestielt sind und  10 bis 15 Zentimeter lang   
       werden;
       sie sind oberseits tiefgrün glänzend, auf der Unterseite heller und in fünf bis sechs Buchten
       gelappt.
  • ...das Holz besonders hart und sehr schwer ist. Es lässt sich aber leicht spalten und gut
       bearbeiten.
       Man verwendet(e) es gerne als Bauholz und als Parkett für Fußböden.
  • ...das Holz auch unter Wasser sehr haltbar ist; deshalb eignet es sich zum Bau für Schiffe,
       Schleusen, Wasserräder und Fäss
  • ...die Rinde auch in der Heilkunde verwendet wird: z.B. gegen chronische Hautkrankheiten,
       Ekzeme, Frostbeulen, Fußschweiß, Hämorriden.
  • ...eine „Moor-Eiche“ eine Stieleiche ist, deren Holz lange im Moor oder unter Wasser lag und
       deswegen dunkelbraun bis schwarz ist. Holzbildhauer und Schmuckhersteller schätzen dieses
       seltene Holz.

Historisches und Mythen

Die Stieleiche hatte auch bei unseren Vorfahren eine besondere Stellung: Sie galt als Symbol der Ewigkeit. Zahlreiche Sagen und Mythen ranken sich um sie.

 - Die Eiche war der Baum des obersten Gottes: Bei den Griechen war sie dem Zeus geweiht, bei den   
   Römern dem Gott Jupiter und bei den Germanen Donar bzw. Thor (auch der Gott des Gewitters).

- Auch die Kelten verehrten die Eiche als göttlichen Baum: Aus dem keltischen Namen der Eiche dair 
  entstand der Begriff Druide, für die geistigen Führer der Kelten. Wer eine Eiche fällte, wurde
  mit dem Tod bestraft.

- In den Naturreligionen glaubte man, dass in den Wurzeln der Eiche gute und auch weniger gute
  Geister hausen.

- Im antiken Zeus-Heiligtum „Dodona“ verkündete das Rauschen der Eichen den Orakelspruch.

- Bei den germanischen Völkern war die Eiche der heiligste Baum. Hatten sich Mistel-Pflanzen in
  der Baumkrone festgesetzt, galt dieser Baum als von Gott erwählt und besonders heilig.

- „Eiche“ bedeutet im Germanischen „Baum“. Die lateinische Bezeichnung „quercus“ geht auf das
   Keltische zurück und könnte in etwas „schöner Baum“ bedeuten.

- Bei den Griechen hieß die Eiche „drys“; nach ihr wurden die Nymphen des Waldes, die „Dryaden“    
   benannt.

- Bekannt ist die Donar-Eiche bei Fritzlar. Sie wurde (um 750 n. Chr.) vom Missionar Bonifatius gefällt,
  um den Germanen zu beweisen, dass ihr Gott Donar keine Macht besitzt.

- Eichen werden besonders häufig vom Blitz getroffen. Das weiß auch eine Volksweisheit:  „Vor Eichen
  sollst du weichen, Buchen sollst du suchen!“ (Bitte nicht ausprobieren!!)

- Die Stieleiche war 1989 „Baum des Jahres".

Ehrung

Ein Schönheitswettbewerb der besonderen Art: Wer hat den besten Baum? Die Landkreise Unterallgäu und Lindau sowie die Stadt Memmingen initiierten 2017 in Zusammenarbeit mit der Sparkasse Memmingen-Lindau-Mindelheim den Wettbewerb „Bäume unserer Heimat“, um auf die Bedeutung von Bäumen aufmerksam zu machen.

Sind sie nicht nur Nahrung und Lebensraum für eine überaus große Vielzahl an Tieren und Nutzpflanze des Menschen; agieren sie doch auch als Sauerstofflieferant und tragen entscheidend zur Luftreinhaltung bei. Nicht zuletzt geben sie der Landschaft ihr prägendes Bild, sowohl in der freien Natur als auch im Ortsumfeld als Straßen-oder Hausbaum.  Der Wert der Bäume muss wieder mehr in den Fokus der Gesellschaft kommen, befand auch die fünfköpfige  fachkundige Jury, welche herausragende Exemplare prämieren sollte.

Bewertet wurden die Bäume nach verschiedenen Kriterien - zum Beispiel nach Alter, Größe, Zustand, Erscheinungsbild in der Landschaft oder Geschichten rund um den Baum.  Damit die für den Wettbewerb eingereichten Bäume alle die gleichen Chancen haben, beurteilte die Jury die Bäume in unterschiedlichen Kategorien: Naturdenkmäler, Haus- und Hofbäume, Landschaftsbäume, Obstbäume und öffentliche Bäume.

Von den 56 eingereichten Bäumen wurden 35 Exemplare in die engere Auswahl genommen. In der Kategorie „öffentliche Bäume“ kam die Stieleiche von Ingrid Krumm auf den 1. Platz und gewann als Hauptpreis eine wertvolle Baumpflegemaßnahme. Kreisgartenfachberater Markus Orf betonte: „Einen so vitalen und großen Baum im Ort zu haben, ist heutzutage sehr selten“.