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Flatterulme

Baum des Jahres 2019

Wissenswertes

Baum des Jahres 2019: Flatterulme (Ulmus laevis)

Woher kommt wohl der Name „Flatterulme“? Im Frühling hängen an den Zweigen die  Blüten und Früchtchen in kleinen Büscheln. Sie haben lange Stiele und flattern deshalb, wenn‘s weht, lustig im Wind. Die Blätter treiben übrigens erst später aus.

 Man erkennt die Ulme an ihren ovalen Blättern, die am Rand entlang viele kleine Zähnchen haben. Ein wichtiges Kennzeichen der Flatterulme sind die dicken Wurzeln, die zum Teil auch über dem Boden stehen und wie dicke Bretter aussehen. Mit diesen dicken Wurzeln steht sie besonders gut und sicher und kann auch bei Hochwasser noch genügend Sauerstoff aufnehmen.

Die Samen, die man auch Nüsschen nennt, sind in zarte Hüllen verpackt. Wenn sie gelb-braun und reif sind, segeln sie vom Baum herunter und weil sie so leicht sind, werden sie vom Wind mitgetragen.

Auch wenn unser neu gepflanzter Baum jetzt noch recht klein und zart ist, kann er doch einmal sehr groß werden; Flatterulmen werden bis zu 30 oder gar 40 Meter hoch. Ein sehr großer Mann kann 2 Meter groß sein – so ein ausgewachsener Ulmenbaum ist also 15mal so hoch.

Gerne wächst die Flatterulme dort, wo es feucht ist, aber sie kommt auch mit trockenen Standorten zurecht und gedeiht auch mitten in der Stadt. Luftverschmutzung, Streusalz und verdichteter Boden machen ihr nicht so viel aus wie anderen Baumarten.      

Schon vor 300 Jahren begannen die Menschen sie neben die Straßen als Alleebaum zu pflanzen und in Nordosten von Deutschland gibt es noch immer schöne Alleen aus Flatterulmen.

Die älteste Flatterulme in Deutschland ist ungefähr 500 Jahre alt und wächst im Norden Deutschlands, in Brandenburg. Man braucht fast 7 Erwachsene um ihren Stamm zu umfassen (10 Meter).

Das Holz der Ulme wird auch „Rüster“ genannt. Die Menschen haben immer schon das Holz der Ulme verwendet. In der Steinzeit wurden daraus Bögen für die Jagd hergestellt; die Blätter hat man abgeschnitten und getrocknet als Viehfutter für den Winter aufbewahrt.

Die Borke ist rissig und kann wie Bast abgezogen werden. Diesen hat man zum Gelbfärben benutzt, und man hat Seile, Matten und Bienenkörbe daraus hergestellt. In Notzeiten hat man ihn gemahlen und unter das Mehl beim Brotbacken gemischt.

Schon im alten Griechenland war die heilende Wirkung der Ulmenrinde bekannt. Sie benutzten sie als Schmerz- und Wundheilmittel bei Brandverletzungen, bei Ausschlägen sowie gegen Fieber, Gicht, Rheuma und Durchfall. Bei hartnäckigem Husten sowie Knochenbrüchen wurde das Auflegen von abgekochtem Bast empfohlen. Auch die Homöopathie nutzt die Ulmenheilkräfte.

Das Holz der Flatterulme ist etwas schwierig zu verarbeiten, weil es leicht reißt und zäh ist, aber genau deswegen hat man es gerne für Mühlen, Glockenstühle, Räder, Kutschen oder auch für Skier hergenommen. Die Pfeiler der Rialto-Brücke in Venedig bestehen heute noch aus Ulmenstämmen. Weil das Holz einer alten Flatterulme besonders interessant gemasert ist, sind Möbel und kleine Holzutensilien daraus beliebt und recht teuer.

Vor über 100 Jahren erkrankten viele Bäume in Nordwesteuropa an der Holländischen Ulmenkrankheit, die aus China eingeschleppt worden war. Dabei verstopft ein kleiner Pilz im Holz der Ulme die Wasserleitungsbahnen und der Baum verdurstet und trocknet aus.                                     

Die Krankheit verbreitete sich immer mehr, wurde sogar in Nordamerika eingeschleppt, und es traten immer aggressivere Pilzarten auf.  Heute hat diese Ulmenkrankheit kaum noch ausgewachsene Feld-Ulmen übrig gelassen. Auch die Berg-Ulmen erreichen immer seltener ein höheres Alter.

Warum pflanzen wir dann so eine gefährdete Baumart? Nun, die Flatterulme scheint weitgehend immun gegen diese Krankheit zu sein. Es gibt eine Menge interessanter Beispiele, wo Flatter-Ulmen in direkter  Nachbarschaft von infizierten und absterbenden Feld-Ulmen stehen, aber selbst keinerlei Symptome der Ulmenkrankheit erkennen lassen.                          

Das kommt wohl davon, dass sie von den Hauptüberträgern dieser Pilzkrankheit in Ruhe gelassen wird. Das sind die Ulmensplintkäfer, eine Borkenkäferart. Sie fliegen die Flatterulme nicht an, weil die Käfer die Bäume nicht als Ulme erkennen. Und so entgeht die Flatter-Ulme als einzige Ulmen-Art der Ansteckung.

Sie ist also die einzige, die zahlreiche Lebewesen, die auf Ulmen spezialisiert sind, vor dem Aussterben bewahrt – dazu gehören Insekten, Spinnen, Pilze und z.B. auch ein Schmetterling, der Ulmen-Zipfelfalter.

Auch wenn sie schwierige Standorte aushält, so wären Feuchtwald-Standorte der beste Lebensraum für die Flatter-Ulme. Es muss daher ein wichtiges Ziel sein, Auenwälder zu schützen, trockengelegte wieder zu vernässen und ehemalige Überflutungsräume in den Flußtälern wieder zu öffnen und der natürlichen Dynamik des Flusses zu überlassen.

Ein Blick in die  Glaubenswelt unserer Vorfahren:

Die Edda-Sage der nordisch-germanischen Mythologie berichtet von der Entstehung der Menschen: Die Götter schlenderten am Meeres-Ufer entlang und entdeckten zwei Baumstämme, die als Treibholz angeschwemmt worden waren – eine Ulme (Embla) und eine Esche (Ask). Sie flößten den Stämmen Geist, Sprache, Blut und Leben ein und machten sie somit zu den Stammeltern der Menschen. Die Ulme ist also der „Stamm-Baum“ der Frau.

Auch für die Kelten war die Ulme ein heiliger Baum. Man glaubte, dass sich in ihrer Nähe gerne Feen aufhalten, die die Menschen verzaubern können. 

Bei den Griechen galt sie als Symbol des Todes, der Träume und der Unterwelt. Man pflanzte sie daher oft auf Friedhöfe und zimmerte Särge aus ihrem Holz.

In Frankreich hatte sie früher eine ähnliche Bedeutung als Dorf-Mittelpunkt wie bei uns die Linde,unter deren Schatten Gericht gehalten und das Wort Gottes verkündet wurde.

Die Flatter-Ulme begleitet die Menschheit seit der Steinzeit  und hatte stets ihren festen Platz im Lebensraum der Menschen.                              

Auch heute wird unter Forstleuten und Städteplanern darüber nachgedacht, dem „Baum des Jahres 2019“ als widerstandsfähigem und attraktivem Stadtbaum neue Lebensräume zu schaffen und mit ihm die Lebenswelt der Ulmen zu erhalten.

Quellen: www.baumpflegeportal.de/aktuell/baum-des-jahres-2019_flatterulme-ulmus-laevis/; https://www.baum-des-jahres.de; https://www.grube.de/blog/baum-des-jahres-2019-die-flatterulme-im-ueberblick/; www.uni-goettingen.de/de/brauchtum+und+mythologie/56400.html; www.everyday-feng-shui.de/wesen-und-bedeutung-des-ulmen-baumes/( alle 08.11.2019)