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Der aufregende Alltag einer Fledermauskundlerin

Familien erleben das Hillental bei Nacht mit dem BN

Hillental, 7. August 2021

Drei riesige Netze stehen schon an Teleskopstangen neben den Weiherflächen, als die acht Kinder in Begleitung der Eltern sich mit Detektoren ausgestattet in die Dunkelheit laufen, um das Hillental auf Fledermäuse zu untersuchen. Ihnen zur Seite steht die Fledermauskundlerin Andrea Schewe, die mit artenschutzrechtlicher Ausnahmegenehmigung hier nicht nur eine besonders spannende Naturerfahrung bietet, sondern den Bund Naturschutz dabei berät, wie die Flächen, die der Ortsgruppe Mindelheim zum Kauf angeboten wurden, für Fledermäuse besonders interessant erhalten werden können.

Mit ihrer unverblümt frischen Art zeigt Andrea Schewe, die Naturschutz, Landschaftsnutzung- und planung studiert hat, die Fledermäuse aus nächster Nähe. Kurze Zeit nach dem Aufspannen sind schon drei Tiere ins Netz gegangen und Andrea befreit sie geschwind, bevor wir helfen, die Netze schnell wieder einzuholen, um nicht mehr Tiere unnötig zu stressen. Drei Säckchen hängen nun von den Ästen neben dem Tisch mit Schieblehre, Waage, Bestimmungsbuch und vielen weiteren wissenschaftlichen Utensilien.

Die Pupillen der staunenden Augen in der kleinen Gruppe sind weit geöffnet, denn trotz Schummerlicht der roten Stirnlampen versuchen alle möglichst nichts zu verpassen. Die Blicke wandern abwechselnd zwischen der kleinen Wasserfledermaus, die schmatzend aus Andreas Handhöhle herausschaut und dem Gesicht der Fledermauskundlerin, die das kurzzeitige Schnattern imitiert und erklärt, dass sich die Tiere in der locker geschlossenen Hand sicher fühlen und schnell beruhigen. Es ist klar: In diesem Moment haben Polizist, Feuerwehrfrau und Astronautin als Traumberuf der Kinder ausgedient.

Sie erzählt von blauen Lippen, von ausreifenden Fingergelenken in den hautigen Flügeln der Fledertiere, vom starken Immunsystem der Tiere, von den spitzen Zähnen und unterschiedlichen Flügelformen, Jagdtechniken und auch von Pullermann und Fledermauskacke. Von Baumhöhlen und Dachböden, auf denen sie beruflich unterwegs ist und sich auf Spurensuche begibt, um die Tiere schützen zu können, wenn Sanierungen oder Abriss anstehen.

Einen kleinen Tipp für daheim hat sie auch in petto: Die kleinen Kotstifte der Fledermäuse lassen sich sehr leicht zwischen den Fingern zerreiben, ganz im Gegenteil zum steinharten Mäusekot. Die beiden haben übrigens herzlich wenig miteinander zu tun: Die Fledermaus ist als hochentwickeltes und einzig flugfähiges Säugetier näher mit uns verwandt, als mit ihren Namensvettern.

Fast alle Fledermausarten, die in Deutschland vorkommen, können wir in Bayern beobachten. Dennoch sind die Tiere durch Habitatverlust stark gefährdet und haben so ihren Platz auf sämtlichen roten Listen gefunden. Vor allem die Ausräumung von Totholz und das Abdichten von Gebäuden machen den teilweise winzig kleinen bis überraschend großen Tieren (30cm!)  das Leben schwer, da Sie während Ihres Lebens häufig umziehen, unter anderem um Parasiten keine Chance zu bieten.

Vom Winterquartier geht es raus in die Wochenstuben, wo sie mehrere Wochen kopfüber ihre Jungen säugen, bevor diese draußen ihr eigenes Glück suchen. Genau diese unerfahrenen und häufig noch schwachen Tiere sind in letzter Zeit immer häufiger gefunden und aufgelesen worden. Sie liegen erschöpft am Boden und sind für Fledermäuse untypisch, auch tagsüber sichtbar.

Auch in diesem Fall kann Andrea helfen, mit Fläschchen und spezieller Aufzuchtmilch sowie Tipps, die die Kleinen wieder zum Fliegen bringen. Die oft gestellte Frage ob, Fledermäuse vom Boden aus starten können, beantwortet sie so: „Es gibt solche und solche. Das große Mausohr bespielsweise jagt bevorzugt Laufkäfer im Wald und muss daher natürlich auch vom Boden starten können. Arten mit gestrecktem Flügelprofil aber haben hier tatsächlich Schwierigkeiten, wie bei den Vögeln der Mauersegler auch.“

Nachdem alle drei Fledermäuse im Hillental gewogen und notiert sind, werden sie wieder am langen Arm in die Nacht entlassen, wo sie sich etlichen anderen anschließen, auf der Jagd nach tausenden Insekten, die sie nächtlich verzehren. Zuschauen können wir ihnen dabei auf unterschiedliche Weise.

Die Fledermausdetektoren, die die hochfrequenten Schallwellen für uns umwandeln knattern lustig und mit etwas Geschick, kann dem Flug nachgehört werden. Andere versuchen sich an der Wärmebildkamera, die per Wifi das Bild auf Tablets und Smartphones überträgt. Hier sind Wasser, Bäume und Schilf in unterschiedlichen Grautönen zu erkennen, die immer wieder von blitzschnellen weißen Punkten durchquert werden. Alle sind begeistert von den Wasserfledermäusen, die mit ihren großen Füßen Insekten von der Wasseroberfläche keschern.

Wäre es nicht schon so spät, würden wir gerne weiter mit Andrea Schewe Fledermäuse erkunden, doch wir schwingen uns aufs Rad, fahren die 20 Minuten zurück nach Mindelheim und freuen uns auf unseren nächsten Besuch mit dem BN im Hillental.