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Helmut Scharpf

Frei nach Kafka: Welches Insekt steckt in dir?

Das ist eine sehr tiefgründige Frage. In Kafkas „Verwandlung“ geht es um eine Kreatur eines funktionalistischen Erwerbslebens, gepaart mit Motiven der Selbstverleugnung und Realitätsverdrängung. Viele Interpretationen der Verwandlung in ein „Ungeziefer“ sind hier möglich, körperlicher Niedergang und Tod, Beziehungen innerhalb einer Familie, den Umgang mit Natur und Ressourcen usw.
Am ehesten würde mir eine Ameise einfallen, die als staatenbildendes soziales Wesen gemeinsam an der Bereitstellung von Unterkunft und Nahrung arbeitet, Symbiosen nutzt, alles verwertet, selbst Aas. Das „Ungeziefer“ wäre aus meiner Sicht umgekehrt der Mensch, der das soziale Gefüge stört und die aufeinander abgestimmten Prozesse durcheinanderbringt.

Worüber könntest du aus dem Stegreif eine halbe Stunde lang referieren?

Über Mitfahrplattformen, Energiewende, Elektromobilität oder Recyclingpapier.

Vervollständige: Der Biber …

… schafft neue Lebensräume für Amphibien. Klar: Er verursacht punktuell auch Konflikte; aber er macht uns gleichzeitig deutlich, dass wir nicht den letzten Quadratmeter wirtschaftlich ausbeuten sollten.

Welches Ding versuchst du schon seit Jahren erfolglos loszuwerden?

Ingenkamps „Lehrbuch der pädagogischen Diagnostik“ von 1985. (Bei Interesse bitte bei mir melden!)

Welche Symbiose würdest du gerne näher untersuchen?

Die Myrmekophilie, ein echt cleverer und komplexer Prozess – wobei wir damit wieder bei den Ameisen wären!

2100: Welches Verkehrsmittel dominiert?

„Apostelbereifung“ und Fahrräder – alles andere hat sich bis dahin vom Segen zum Fluch entwickelt und ist verboten oder nun für Notfalldienste zugelassen. Sebastian Kneipp ist von Stephansried nach Kempten und zurück gelaufen – an einem Tag!

Kröte oder Frosch?

Das spielt keine Rolle, beide sind Sympathieträger! Wichtig ist es, einmal auf Tuchfühlung mit diesen Lebewesen zu gehen, z.B. im Rahmen einer Amphibienschutzaktion im Frühjahr. Das schärft das Verantwortungsgefühl für unsere Mitgeschöpfe – ein Leben lang.

Vervollständige: Katzen sind …

… Einzelgänger, die sich ihr Zuhause selbst aussuchen.

Welchen Vogel erkennst du an seiner Stimme?

Jeden, der seinen eigenen Namen ruft – wie den Zilpzalp, Wachtelkönig (lat. Crex crex), Kuckuck oder den seltenen Wiedehopf (Vogel des Jahres 2022). Und dann noch ca. 100 weitere.

Vervollständige: Fliegen …

… schafft Verbindungen, für die man früher teils Monate unterwegs war. Es will jedoch zweimal überlegt sein, ob es nicht auch anders geht oder überhaupt sein muss.

Ohne nachschauen: Wie lautet die Reaktionsgleichung der Photosynthese?

Das kann ich vielleicht (wieder) beantworten, nachdem ich mit 70 ein Biologiestudium aufgenommen habe.

Wo bist du zu Hause?

Dort, wo ich jeden Winkel kenne, wo ich sozial vernetzt und integriert bin.

Was möchtest du unbedingt noch lernen?

Nein sagen können, Ruhe geben ...

Welche Gruppe „... for future“ könntest du gründen?

„Mobility for future“ – raus aus den Blechkisten, rein ins Leben. Oder „Nahversorgung for future“: Die Globalisierung führt in die Sackgasse; sie bedroht die heimische Landwirtschaft und kostet Energie ohne Ende. 

Filterkaffee oder Nespresso?

Filterkaffee, natürlich „fair trade“ und „bio“. Kapseln kommen mir nicht in die Tüte!

Welches Lied würdest du auf eine einsame Insel mitnehmen?

„Music was my first love“, eine wunderbare Ballade, die ich gerade mit meinem Chor einstudiert und zur Aufführung gebracht habe. (Ein Hörbeispiel gibt’s auf Nachfrage!) Alternativ: „Stairway to Heaven“ von Led Zeppelin!

Werkstatt oder selber flicken?

Mit zwei linken Händen gesegnet, lasse ich lieber das örtliche Handwerk sein Auskommen finden.

Deine erste Amtshandlung als Bürgermeister:in ist:

Ein Beitritt im „Bündnis Fahrradfreundliche Kommunen“. Verkehrsplanung findet leider immer noch aus der Perspektive des motorisierten Verkehrs statt. Dabei leidet die Lebensqualität der Gemeinden massiv unter dieser Fehlentwicklung. Den interessanten Vortrag von Stefan Gößling (Bündnis klimaneutrales Allgäu) halte ich für gut investierte 49 Minuten.

Wofür würdest Du mitten in der Nacht aufstehen?

Um einmal den Ruf eines „Ziegenmelkers“ zu hören. Der kam früher noch im Wurzacher Ried vor, ist meines Wissens aber selbst dort schon ausgestorben.

Welche Rolle würdest du im Zirkus spielen?

Für akrobatische Einlagen fehlt mir die Schwindelfreiheit, deshalb „Conférencier“.

Wie lautet die Antwort auf die Frage nach dem Leben, dem Universum und dem ganzen Rest?

Wir glauben alles zu wissen, verstehen dennoch nichts, wir leben alle, um zu sterben und sind nicht demütig. Geld regiert die Welt, die Politik lässt die Reichen aus der Verantwortung. Die Gier kennt keine Grenzen und so sägen wir den Ast ab, auf dem wir sitzen. Jane Goodall meinte dazu: „Hier stehen wir, die klügste Tierart, die jemals gelebt hat. Wie können wir also den einzigen Planeten zerstören, den wir haben?“
Deshalb brauchen wir eine aktive Zivilgesellschaft, keine „Konsumdeppen“, die sich jeden Abend mit der Chipstüte vor den Fernseher knallen. Wie heißt es so schön: „Nur wer aufsteht, kann sich widersetzen.“ 2022 können wir uns ja bereits wieder „gute Vorsätze“ vornehmen…