Streuwiese in Kardorf

Was ist eine Streuwiese?

Streuwiesen sind artenreiche Standorte vieler bedrohter Pflanzen- und Tierarten, die sich bei der früher üblichen Gewinnung von Einstreu für Ställe durch menschliche Bewirtschaftung entwickelt haben, nun aber aufgegeben bzw. umgenutzt werden. Ihre Bewohner sind gewöhnlich an hohes Feuchte- und geringes Nährstoffangebot angepasst bzw. von Pflanzen abhängig die nur dort vorkommen.

Der Standort Streuwiese bei Kardorf

Bei Kardorf entstand eine solche ehemalige Streuwiese in einem Umfeld von Auwaldresten, Schilfröhricht und Kleingewässern beim Verlanden eines früheren Altwassers im Überschwemmungsbereich der Iller. Auf der Streuwiese selbst wachsen Orchideenarten wie das Knabenkraut und weitere Pflanzen der Roten Liste. Ihre tierischen Bewohner, z.B. Amphibien und Ringelnattern, brauchen dieses Habitat und auch die angrenzenden Naturgrundstücke zum Überleben. Ohne den natürlichen Standort sterben die an dessen besondere Beschaffenheit angepassten Arten aus, weil sie im Konkurrenzkampf anderen Plätzen unterlegen sind.

Verdrängung der Streuwiesearten

Der Streuwiesenbereich wird gefährdet durch aufwachsende Bäume, Büsche und Schilf die den eigentlichen typischen Pflanzen das Licht rauben. Ein weiterer unerwünschter Einfluss auf die Streuwiese stellt die Einbringung von Ammoniak aus der Gülle und Stickoxiden aus den Abgasen von Verbrennungsmotoren in den Boden dar. Dadurch kommen stärker wuchernde Pflanzen wie z.B. Brennnesseln auf, die ebenfalls die Orchideenarten etc. verdrängen.

Notwendigkeit von Pflegemaßnahmen

All diesen unerwünschten Einwirkungen ist mit der jährlichen Mahd im Herbst und dem Entfernen des Schnittguts entgegenzutreten. Dieser Aufgabe widmet sich die Ortsgruppe Memmingen des Bund Naturschutz seit vielen Jahren. Da Traktoren auf dem nassen Untergrund der Streuwiese tiefe Spuren hinterlassen und die Flora und Fauna schädigen würde, muss mit einem Balkenmäher geschnitten, das Schnittgut von Hand mit der Heugabel geschwadert und mit einer Plane aus dem Biotop getragen werden. Bei dieser mühseligen Art der Pflege wurde die Ortsgruppe bereits einige Jahre von Schülern des Vöhlin-Gymnasium tatkräftig unterstützt.

Der Biber macht Arbeit

Neben dem jährlich anfallenden Mähgut muss auch das vom Biber geschaffene Totholz teilweise weggeräumt werden, auch wenn ein gewisser Anteil an Totholz zur Natur gehört. Eine weitere Herausforderung stellen die Kanäle des Bibers dar, denn Streuwiesengewächse sind keine Wasserpflanzen.   

Fazit

Die Streuwiese ist eine ökologische Nische, welche Pflanzen mit hohem Wasser- und niedrigem Nährstoffbedarf einen geeigneten Standort bietet. Die Ansiedlung von gefährdeten Pflanzen- und Tierarten ist ein Antrieb dafür, den mit einer Streuwiese verbundenen Arbeitseinsatz zu bewerkstelligen.